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Was ist Dirty South? (Hip Hop)

Dirty South, auch als Southern Hip-Hop, Southern Rap oder Down South bezeichnet, ist ein Subgenre des Hip-Hop, das seinen Ursprung im Süden der Vereinigten Staaten hat. Die wichtigsten
Heimatstädte des Dirty South sind Atlanta, New Orleans, Memphis, Houston und Miami. Er kann als Antwort auf die beiden in den 80er Jahren dominanten Strömungen des Hip-Hop an der amerikanischen
Ost- und Westküste verstanden werden.

Southern Hip-Hop hatte es besonders in seiner Anfangszeit schwer, sich gegen diese Konkurrenz durchzusetzen. Viele Dirty South-Künstler konnten keine größeren Labels für sich gewinnen. Ihre Songs erschienen zunächst auf Mixtapes oder kleinen Independent Labels, bevor der Down South mit Stars wie Lil Wayne einem großen Publikum bekannt wurde.

Heute vereint der Southern Hip-Hop die Top-Acts der Szene und ist prägend für zahlreiche Unterarten des Hip-Hop, die aus ihm hervorgegangen sind, wie Bounce, Snap und Crunk.

Stilistisch ist der Dirty South stark von elektronischer Musik beeinflusst. Die typischen Instrumente sind Drum Machine, Synthesizer, Turntable, Sampler. Im Crunk kommen oft auch Keyboard und verschiedene Effektgeräte zur Erzeugung von „Robotic Voices“, wie der Vocoder, zum Einsatz.

Die Wegbereiter des Down South

Zu den wichtigsten Vertretern des frühen Down South gehören die Geto Boys aus Houston, die den an der Westküste entstandenen Gangsta Rap in ihren Texten ins Extreme steigern. Ihr erstes, 1988 erschienenes Album „Making Trouble“ mit der Nummer „Assassins“ gilt als Pionierwerk des Horrorcore, der ebenfalls eine Unterart des Southern Hip-Hop darstellt:

Einflüsse von Dirty South

Sie beeinflussten mit ihrem Stil unter anderem Hip-Hop-Größen wie Eminem und 50 Cent, und ihr Song „Mind of a Lunatic“ aus dem Nachfolgealbum „Grip It! On That Other Level“ wurde unter anderem von Marylin Manson gecovert. Die Geto Boys trugen auch wesentlich dazu bei, dass Houston bis heute als Zentrum des Down South bezeichnet wird.

Von zentraler Bedeutend für die Southern Hip-Hop Szene der 80er und 90er Jahre ist auch die 2 Live Crew aus Miami. Ihr 1989 erschienenes Album „As Nasty As They Wanna Be“ sorgte für nicht wenig Kontroversen. Die in den Lyrics enthaltenen sexuell expliziten Inhalte führten dazu, dass die American Family Association den „Parental Advisory“-Sticker für nicht ausreichend hielt, um Käufer vor den Inhalten des Albums zu warnen und führte zu rechtlichen Auseinandersetzungen wegen des Vorwurfs der Obszönität und Gewaltverherrlichung. Kontroversen dieser Art wurden zu einem Markenkennzeichen des Dirty South und sind durchaus als werbewirksam zu verstehen.

Anhören kannst du die 2 Live Crew hier (2 Live Crew – Get It Girl):

Dirty South Hip Hop in den 90ern: Trick Daddy & Lil‘ Wayne

In den 90er und frühen 2000er Jahren hatte die Down South Szene schon mit einigen Top Acts aufzuwarten. Dazu gehört mit Sicherheit Trick Daddy, der mit zehn Geschwistern in Miami aufwuchs und schon mit fünfzehn Jahren mit seinem Vater, einem lokalen Zuhälter, auf der Straße Crack verkaufte. Eine Anklage wegen versuchten Mordes im Zusammenhang mit einer Schießerei brachte ihm schließlich eine Gefängnisstrafe ein. Nach seiner Haftentlassung wurde er Rapper. Er verkörpert schon aufgrund seiner Lebensgeschichte wohl wie kein anderer das Klischee des Gangsta Rappers im
Dirty South.

Die Authentizität seiner Musik verhalf ihm auch zu mehreren Hits, darunter „I’m A Thug“ aus dem Album „Thugs Are Us“:


Der aus New Orleans stammende Lil Wayne ist insofern bemerkenswert, als er seine Rapper-Karriere schon mit neun Jahren startete, auch als Buchautor in Erscheinung trat und einen minimalistischen, auf die Vocals konzentrierten Stil des Dirty South vertritt. Anfangs in der Gruppe Hot Boys engagiert, brachte er 1999 sein erste Soloalbum „Tha Block Is Hot“ heraus, das in kurzer Zeit Platinstatus erlangte. Auf den Nachfolgealben entwickelte Lil Wayne seinen unverwechselbaren, eher ruhigen und lyrischen Gesang weiter. Er gilt heute als einer der erfolgreichsten Künstler aller Zeiten und kann, obwohl stilistisch untypisch, mit voller Berechtigung als das Aushängeschild des Southern Hip-Hop bezeichnet werden. Einen Eindruck von Lil Wayne bekommst du hier:


Jüngste Entwicklungen im Southern Hip-Hop

Crunk ist eine der Stilrichtungen des Dirty South, die durch die Texaner Three Six Mafia aufkam und von Lil Jon aus Atlanta gepusht wurde. Die charakteristische Mischung aus Drum Machine, schwerer Bassline und Shouting Vocals inspirierte in letzter Zeit viele Künstler zu einem Mix mit R&B und verspricht durchaus spannende Weiterentwicklungen im Down South.

Eine andere interessante Variation des Southern Hip-Hop stellen die seit circa 2000 in der Szene präsenten offen schwulen Rapper wie Vockah Redu, Sissy Nobby, und Big Freddia aus New Orleans dar. In der traditionell wegen ihrer oft offen zur Schau gestellten Homophobie, kritisierten Down South-Kultur ein ebenso bemerkens- wie begrüßenswerter Schritt!

„Make It Jingle“ von Big Freddia kannst du hier anhören:


Dirty South Acts, die du kennen solltest

  • Geto Boys
  • Lil Wayne
  • 2 Live Crew
  • Trick Daddy
  • OutKast
  • Goodie Mob
  • Lil John
  • Young Jeezy
  • Rick Ross
  • Juvenile
  • T.I.
  • Ludacris
  • Three 6 Mafia
  • Paul Wall
  • Mike Jones
  • Slim Thug
  • Z-Roe
  • Trae
  • Young Thug
  • 2 Chains
  • Waka Flocka Flame
  • Migos
  • 21 Savage